Prinzipien und Methoden unserer Bildungsarbeit

Als Träger der außerschulichen Bildungsarbeit sehen wir für die Gestaltung attraktiver Seminare in der Freiwilligkeit der Teilnahme, in kooperativem und methodisch vielfältigem Lernen und im Verzicht auf Leistungskontrolle wichtige Voraussetzungen. Nicht die Wissensvermittlung steht im Vordergrund unserer Seminare, sondern die Interessen und Bedürfnisse der Teilnehmenden sind Ausgangspunkt unserer Arbeit. Die Teilnehmer_innen erschließen sich die Inhalte eigenständig und lernen voneinander. Mit dieser sozialen Erfahrung werden Schulerfahrungen ergänzt, teamorientiertes Arbeiten und Lernen erlebt und erprobt. Die auf diesem Weg erlebbare Aneignung von Schlüsselkompetenzen ermöglicht die Erfahrung, dass Lernen und die Beschäftigung mit gesellschaftspolitischen Themen Spaß machen können.

Darüberhinaus bilden die Subjektorientierung, die Bildungsarbeit für Demokratie und gegen Diskriminierung sowie der Arbeitsweltbezug den Rahmen für die Methoden unserer Bildungsarbeit, über die Sie auf dieser Seite mehr erfahren können.

Subjektorientierung

Eines unserer wichtigsten Prinzipien ist die "Subjektorientierung": Der Subjektorientierung liegt die Vorstellung zugrunde, dass Menschen ein Bedürfnis haben, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. In diesem Zusammenhang ist Lernen auf erweiterte gesellschaftliche Teilhabe gerichtet. Lerninteressen entstehen, wenn Lernende auf Situationen stoßen, in denen sie ihre Kompetenzen bzw. ihre Handlungsfähigkeit als unzureichend erfahren und ein Motiv haben, sich weiter zu entwickeln. Die Lernenden motiviert eine Vorstellung, dass sie neue Handlungsmöglichkeiten und Problemlösungen finden, wenn sie sich eigenverantwortlich mit bestimmten Themen auseinandersetzen. Dies hat wichtige Konsequenzen für unsere Bildungsarbeit:

Lernhandlungen lassen sich den TeilnehmerInnen unserer Seminare nicht von außen erzwingen und verlaufen auch nie gleichförmig. Menschen setzen sich eigensinnig mit ihrer Umwelt auseinander. Die Lernbedürfnisse der Seminarteilnehmenden sind daher Ausgangspunkt für die Gestaltung unserer Seminare. Spezielle Fragen, Interessen und Bedürfnisse der Teilnehmenden werden im Seminar mit unseren Lehrangeboten abgestimmt. Der somit gemeinsam gestaltete Bildungsprozess wird dann auch möglichst vielen Interessen gerecht und ist zugleich ein Modell für den konstruktiven Umgang mit Unterschieden. Ziel unserer Seminare ist es, die Auseinandersetzung mit neuen Positionen und Handlungsstrategien zu ermöglichen.

Bildungsarbeit für Demokratie und gegen Diskriminierung

Unsere Bildungsarbeit zielt auf die Teilhabe und Mitbestimmung unserer Teilnehmer_innen in Gesellschaft, Politik und Kultur. In unseren Seminaren wollen wir daher gemeinsame Interessen aufzeigen und Zusammenhalt sowie Solidarität als Handlungsoptionen erfahrbar machen, um damit einen Beitrag zu leisten, die eigenen Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Damit richten wir uns auch gegen Ausgrenzungen und Diskriminierungen, die viele Jugendliche und junge Erwachsene in verschiedenen Lebensbereichen erfahren. So ist die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern eine gesellschaftspolitische Aufgabe, zu deren Umsetzung wir durch unsere Bildungsarbeit einen Beitrag leisten möchten. Unsere Seminare werden in der Regel von gemischt geschlechtlichen Teams durchgeführt und geschlechtsspezifische Stereotype intensiv diskutiert. Vielen Teilnehmer_innen bietet sich hierdurch eine Chance, neue Handlungsmöglichkeiten und Rollenbilder kennen zu lernen. Aber auch in Bezug auf rassistische Diskriminierung oder Ausgrenzung aufgrund vermeintlicher Behinderungen wollen wir in unseren Seminaren Denkprozesse anregen, über gesellschaftliche Hintergründe sprechen und zu solidarischem Engagement in der Gesellschaft ermutigen.

Arbeitsweltbezogene Bildungsarbeit

In unseren Seminaren und Bildungsprojekten beziehen wir die Inhalte der Seminare auf den Arbeitsalltag der Seminarteilnehmer_innen. In der Herstellung von thematischen Bezügen zur Arbeitswelt sehen wir zudem einen wichtigen Beitrag, um Jugendliche und junge Erwachsene im Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf zu unterstützen. Diese Themen stellen in Zeiten hoher Erwerbslosenzahlen und einer stetigen Abnahme dualer Ausbildungen eine besondere Herausforderung dar. Denn der Einstieg in das Berufsleben ist für viele unserer Teilnehmer_innen ein angst- und druckbesetztes Themenfeld. Eine arbeitsweltbezogene Bildungsarbeit versucht in diesem Zusammenhang Hilfe bei der Berufsorientierung und Unterstützung im Übergang in das Berufsleben zu geben.

Methoden unserer Bildungsarbeit

In unseren Seminaren setzen wir vielfältige Methoden ein, um die Auseinandersetzung mit den Seminarthemen für unsere TeilnehmerInnen so ansprechend wie möglich zu gestalten. Lernprozesse laufen nie gleichförmig ab, sondern unterscheiden sich von Person zu Person. Mit dem Einsatz von verschiedenen Methoden im Seminarverlauf werden wir diesen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht und können die Beschäftigung mit den Seminarthemen abwechslungs- und facettenreich gestalten:

  • Planspiele lassen komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge greifbar werden und bieten Denkanstöße über das eigene Verhalten und Handlungsweisen anderer Menschen innerhalb bestimmter Strukturen, bspw. in Planspielen zu Diskriminierung und Ausgrenzung.
  • Rollenspiele bieten die Möglichkeit der Lebenswelt der SeminarteilnehmerInnen nachempfundene Situationen zu simulieren, um Handlungsmöglichkeiten zu erweitern, im geschützten Raum Ängste zu überwinden und Empathie für andere zu entwickeln.
  • Forumtheater und andere theaterpädagogische Elemente bieten bei den verschiedensten Seminarthemen Möglichkeiten Handlungsansätze zu entwickeln und diese auch praktisch auszuprobieren.
  • Kleingruppenarbeit zu überschaubaren Arbeitsaufgaben bieten die Möglichkeit, dass sich Lernende ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend mit Problemstellungen und Sachinformationen auseinandersetzen können. Entscheidungs- und Problemlösungsprozesse können in Kleingruppen partizipativer als in Großgruppen gestaltet werden. Die Vorstellung von Arbeitsergebnissen von Kleingruppen im Seminarplenum übt gleichzeitig das Präsentieren vor Gruppen.
  • Einsatz von modernen Medien wie Computern, Internetrecherchen, Digitalkameras u.a. bieten die Möglichkeit, Form und Inhalt der Informationsvermittlung in Zeitungsartikeln, Filmen u.a. zu hinterfragen und diese auf ihre Wirkung zu analysieren.
  • Kooperationsübungen ermöglichen auf spielerische Weise mit Konfliktsituationen umgehen zu lernen und in Zusammenarbeit mit anderen SeminarteilnehmerInnen kooperative Lösungsstrategien zu erarbeiten.
  • Erlebnispädagogische Methoden zielen als aktivierende, spielerische und handlungsorientierte Übungen darauf, die Elemente Natur, Erlebnis und Gemeinschaft pädagogisch zielgerichtet miteinander zu verbinden. Durch erlebispädagogische Elemente können individuelle und soziale Lernprozesse unterstützt werden, etwa ein besseres Verstehen von Gruppeninteraktionen und -konflikten.
  • Weitere Methoden wie biografische Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Exkursionen, Gespräche mit GastreferentInnen, Produktgruppenarbeit, Internetrecherchen, Erstellung von Radiosendungen, Präsentationen ergänzen ebenfalls die Seminararbeit und bieten den TeilnehmerInnen abwechslungsreiche und methodisch vielfältige Seminare.